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Einheitsgemeinde Gerstungen
Ortsteile: Gerstungen | Lauchröden | Oberellen | Unterellen | Neustädt | Sallmannshausen
Ortsteil GERSTUNGEN
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Allgemeines zur Geschichte
Geschichtlicher Überblick unserer Einheitsgemeinde Gerstungen inkl. der Ortsteile Lauchröden, Oberellen, Unterellen, Neustädt und Sallmannshausen
Das Gebiet der heutigen Gemeinde Gerstungen wird von einem Ausläufer des Thüringer Waldes durchschnitten, der nach seiner höchsten Erhebung "Böller" genannt wird und hier das Tal der Werra von dem Tal des Nebenflüsschens Elte trennt. Da mag die Bildung willkürlich erscheinen.

Sie ist es aber nicht. Ehe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Entwicklung des Bahnverkehrs die Kreisverwaltungen geschaffen wurden, gab es kleinere, zu Fuß gut erreichbare Verwaltungseinrichtungen, deren Aufgabe außerdem die Rechtspflege war. Sie hießen schlicht Amt. In unserem Fall war es das Amt, kirchlich die Superintendentur Gerstungen, freilich weiter ausgedehnt. Die früher selbständigen Orte Gerstungen, Untersuhl, Neustädt, Sallmannshausen, Lauchröden und Unterellen gehörten dazu, nicht genannt Weiler und Wüstungen. Als Amtsgerichtsbezirk Gerstungen existierte die Gebietseinheit noch bis 1948. Es fehlte lediglich Oberellen mit seinen Weilern Clausberg und den Einzelsiedlungen Hütschhof und Frommeshof. Dieses Gebiet war eine Enklave des Herzogtums Sachsen-Meiningen in unserem Staatswesen Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.
Der Name "Sachsen" verrät, dass die Fürsten miteinander verwandt waren, dass Erbteilung als Ursache für die Trennung in Betracht kommt.

Verfolgt man den Weg zurück, so finden wir uns in der Mitte des letzten Jahrtausends gemeinsam im Kurfürstentum Sachsen (Residenzen Wittenberg und Torgau) und vordem im direkten Herrschaftsbereich der Landgrafen von Thüringen wieder. Das Gebiet des Amtes Gerstungen stammt ursprünglich aus dem Eigentum der fränkischen Könige, war 744 dem Kloster Fulda geschenkt worden und gelangte durch Verpfändung an die Thüringer Landgrafen. Betroffen waren im heutigen Gemeindegebiet die Orte Gerstungen, Untersuhl und Neustädt.

Unter dieser höheren übten die adligen Herren vor Ort die niedere hoheitliche Gewalt aus. Bis zu den Veränderungen zu Gunsten einer modernen Verwaltung und Rechtspflege nach der Revolution 1848 hatten wir in dem heutigen Gemeindegebiet Orte, die dem fürstlichen Amt in Gerstungen direkt unterstanden, nämlich Gerstungen, Untersuhl und Neustädt, Orte des ehemaligen Herrschaftsbereiches der Brandenburg, "brandenburgische Gerichte" genannt, betreffend Lauchröden, Unterellen und Sallmannshausen, oder als dritte zu unterscheidende Gegebenheit Oberellen, in dessen um 1600 erbautem Schloss die Herren von Hanstein saßen. Aus ritterlichem Besitz war es im 12 Jahrhundert an das Hauskloster der Thüringer Landgrafen Reinhardtsbrunn und wohl nach dessen Auflösung während der Reformation an das kursächsische Fürstenhaus gekommen. Auch die Erben der Brandenburg wohnten seit der Aufgabe derselben in "Kemenaten" oder Schlössern mit Gutshöfen in Lauchröden und Unterellen, ferner im benachbarten Herda.

Natürlich stellt sich die Frage nach Alter und Herkunft der Orte. Der Ortsnamentyp und das Straßennetz geben eine bessere Auskunft als es die Urkunden vermögen. Denn das Auffinden einer Jahreszahl hängt oft vom Zufall ab. "Gerstungen" ist ein germanischer Name und mithin der Ort am ältesten. "Sallmannshausen" verrät eine Entstehungszeit nach 521, als die Franken und (Alt- ) Sachsen Thüringen gemeinsam unterworfen hatten. In dieser Siedlungsphase wurde "-hausen" als Grundwort häufig verwendet. Typisch ist auch der dreieckige Dorfplatz. Sodann folgten die Orte, deren Grundwort die Lage bezeichnet: Untersuhl-Parallelbildung zu Obersuhl, in beiden Gemarkungen gibt es Flüsschen bzw. Bäche mit diesem Namen , Oberellen und Unterellen liegen am Flüsschen Elna, heute Elte, und bei Lauchröden gab es offenbar feuchtes Grasland, dass man "Ried", regional auch "R(h)eden" nannte.
Sie dürften bis 1000 u. Z. entstanden sein. Am jüngsten ist Neustädt. Der Name sagt es bereits, und das Straßennetz zeigt Planmäßigkeit. Es hat etwa parallel verlaufende Längsachsen, die durch Quergassen verbunden werden. Die Hauptachse weitet sich zu einem rechteckigen Dorfplatz mit Linde und Ziehbrunnen auf. Flankiert wird es durch Kirche, Pfarrhaus, und später kam die Schule noch hinzu.
Die urkundlichen Erwähnungen, soweit bisher auffindbar:

Gerstungen 744
Sallmannshausen 1263
Oberellen 1121
Lauchröden 1144
Neustädt 1317
Unterellen 1367
Untersuhl 1397

Das Leben in unseren Orten war bäuerlich geprägt, allerdings in unterschiedlichem Maße. So entwickelten sich in Gerstungen als Burg-, Markt- und Amtsflecken außerdem allgemein Handwerk und Handel, in Untersuhl vorübergehend die Weberei, in Neustädt die Töpferei oder in Sallmannshausen die Fischerei. Die Bauern waren Besitzer- nicht Eigentümer - ihrer Höfe, Felder, Wiesen und gegebenenfalls Waldparzellen und mussten Frondienste und Abgaben gegenüber dem jeweiligen Grundherren leisten. Bei aller Bescheidenheit der Lebensverhältnisse war ihre Lage besser als die der Leibeigenen, die zu den Gütern des Adels gehörten. Davon zeugen die stattlichen zweigeschossigen Fachwerkhäuser sowie solide gebaute Scheunen und Ställe, die das Bild unserer Dörfer prägen. In Lauchröden scheint es angesichts der Existenz mehrerer adliger Güter allerdings nur wenige dieser halbfreien Bauern gegeben zu haben.

Die einstige Gebundenheit an verschiedene regionale kirchliche Zentren darzustellen, würde zu weit führen. Allgemein ist festzustellen, dass alle unsere Orte zum Erzbistum Mainz gehörten. Im Zuge der Reformation wurden sie protestantisch. In Oberellen bildete sich neben der evangelisch-lutherischen auch eine evangelisch-freikirchliche Gemeinde. Nach dem 2. Weltkrieg wuchs mit dem Zuzug der Heimatvertriebenen besonders aus Schlesien und dem Sudetenland die Anzahl katholischer Mitbürger, die sich in Gerstungen ein modernes Gotteshaus in gediegener Gestaltung bereits während der DDR-Zeit schufen.

Durch unser Gemeindegebiet führten 2 wichtige Fernstraßen. Die eine, von der Brandenburg aus geschützt, verlief durch Oberellen und über den Dietrichsberg. Sie gehörte zu dem System mehrerer Wegvarianten, das man "durch die kurzen Hessen" nannte. Sie verbanden auf kürzestem Wege die Messestädte Leipzig, Erfurt und Frankfurt miteinander. Die andere gehörte zu den zahlreichen Nürnberger Straßen in unserem Gebiet und führte durch Untersuhl. Geleitschutz wurde von der Gerstunger Burg aus, später Schloss genannt, gewährt, wozu die Untersuhler Kirche in Form eines Wehrturmes mit Filialtürmen als Auslug nach allen Seiten gedient haben dürfte. Zum Gerstunger Schlossturm bestand Sichtkontakt.

Mit dem Bau der Eisenbahn 1847-1849 durch das Werratal und Anlage eines Rangierbahnhofes in Gerstungen brach das Industriezeitalter an. Bald kamen die Nebenbahnen Eisenach-Bad Salzungen-Meiningen und zuletzt, um 1900, Gerstungen-Vacha-Bad Salzungen bzw. Hünfeld durch das neu erschlossene Kaligebiet hinzu. Wer nicht ausreichend Land hatte, um eine Familie zu ernähren, konnte nun mit der Bahn nach Eisenach oder in das Kaligebiet fahren. In Gerstungen wurden kleine Industriebetriebe gegründet, die bis auf die Ziegelei jedoch bald wieder eingingen. Hauptarbeitgeber blieb die Eisenbahn. Kaum zu glauben, aber Tatsache ist es, dass gerade während der DDR-Jahre und ausgerechnet im Sperrgebiet zahlreiche kleine Industriebetriebe als Filialen in unseren Orten eingerichtet wurden. Der Grund mag Mangel an Produktionshallen und Baumaterial für diese gewesen sein oder auch, dass der Bahnverkehr über Herleshausen eingestellt worden war, die Ersatzstrecke durch den Böller ohne Anschluss für Unterellen und Oberellen blieb und man nun viel Treibstoff für die Busse brauchte. So verlegte man die Produktion hin zu den Beschäftigten. Von diesem vorübergehenden Aufschwung profitierten besonders Gerstungen, aber auch Lauchröden, Unterellen und Oberellen. Zahlreiche Arbeitsplätze bot zudem die industriemäßig betriebene Landwirtschaft.

Die Bindung des abgelegenen Ortes Oberellen an den zentralen Ort Gerstungen wurde durch den spontanen Bau der Transitstraße, gedacht als Verbindungsstraße zwischen dem Autobahnanschluss Eisenach/West und einem zu schaffenden Straßen-Grenzübergang bei Gerstungen möglich. Daraus wurde zwar nichts, aber das für uns wichtige Straßenstück war dadurch entstanden. Allerdings wurde Oberellen sogleich aus dem Sperrgebiet herausgenommen und somit von Gerstungen wieder getrennt.

Seit 1989 ist der Schlagbaum verschwunden. Damit war auch Oberellen an den Landstraßenring um den trennenden Bergwald "Böller" angeschlossen. Daraus erwuchs die Möglichkeit, dass sich zunächst eine Verwaltungsgemeinschaft und dann die Einheitsgemeinde Gerstungen in der gegebenen umfassenden Zusammensetzung bildete. Der Ortsteil Gerstungen mit dem bereits 1959 eingemeindeten Ort Untersuhl erfüllt die kernörtliche Funktion mit Verwaltung, Wohnbaugebieten, Produktionsstätten, Kaufhallen, Verkehrsanbindung an Autobahn und Eisenbahn, Arztpraxen, Apotheke, Altenpflegeheim, Gymnasium und Regelschule, Bibliothek, Heimatmuseum, Schwimmbad und Sporthallen, um die wesentlichsten Funktionen zu nennen. Lauchröden und Oberellen sind Orte mit ausgewiesener Wohnfunktion und in Unterellen gibt es ein kleines Gewerbegebiet mit bemerkenswerten Produktionsanlagen. Auch die Orte ohne besonders festgelegte Funktion haben ihren Platz gefunden. Lückenbebauung ist möglich, in Neustädt haben private Investoren aus der ehemaligen Kaserne einen funktionierenden Gewerbehof gemacht, Sallmannshausen hingegen ist für den Radtourismus bedeutend. Die Obereller Weiler Clausberg und der Hütschhof sind wiederum auf den Wander- und Reittourismus orientiert. Für geschichtlich Interessierte haben die Brandenburg bei Lauchröden, das Heimatmuseum in Gerstungen und die turmförmige Rundkirche in Untersuhl Bedeutung.