2026 – das Jahr der Klarheit für Gerstungen Zielstellungen des Bürgermeisters für das neue Jahr

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,
zuerst wünsche ich Ihnen für das neue Jahr 2026 bestmögliche Gesundheit und persönliches Glück! Uns allen wünsche ich Frieden – familiär, gesellschaftlich und in der Welt.
Wie die Überschrift schon verrät, wird 2026 das Jahr der Klarheit für Gerstungen. 2026 schalte ich das Licht an und reiße die Türen und Fenster auf. Es wird also vieles sichtbar, was noch im Dunkeln liegt und es wird ein frischer Wind der Klarheit durch das große „Haus Gerstungen“ ziehen.
Warum ist dies nötig?
In meinen Augen ist unsere Gemeinde Gerstungen ein sehr mutiges Konstrukt. Dies war mir von Anfang an klar und deshalb habe ich mich hier zur Wahl beworben. In den verbleibenden vier Jahren meiner Amtszeit bin ich bereit, alle notwendigen Wege zu gehen, diesen chancenreichen Teil unserer Heimat mit auf die Beine zu helfen.
Gerstungen, als größte Flächengemeinde Thüringens, kann aus meiner Sicht mittel- bis langfristig nur fortbestehen, wenn folgende Fragen beantwortet sind:
Jahrzehntelange Großbaustelle: Trink- und Abwasseranlagen, Straßenbau
Wie können die aus Marksuhl und Wolfsburg-Unkeroda mitgebrachten Schulden (denn nichts anderes sind marode Kanäle in fünf Dörfern ohne Anschluss an eine öffentliche Kläranlage) gestemmt werden? Kann das Solidarsystem aus Einwohnern und Unternehmen diese immensen Kosten schultern? Wohin würden sich die Entgelte (vor allem Gebühren) entwickeln, wenn es keine Landeshilfe gäbe? Aktuelle Berechnungen der Gemeindewerke gehen davon aus, dass bis zur Erreichung des Alt-Gerstunger Kläranlagen-Anschlussgrades noch mindestens 70 Millionen Euro investiert werden müssen. Diese Summe kann sich aufgrund externer Faktoren noch weiter erhöhen. Dabei reden wir von einem Umsetzungszeitraum von 15 bis zu 35 Jahren.
Straßen und öffentliche Anlagen
Auch in Alt-Gerstungen waren und sind noch nicht alle Straßen in einem sanierten Zustand. Die Hintergasse in Neustädt ist hier ein Musterbeispiel. Das kommunale Straßennetz von Alt-Marksuhl mit seinen Ortsteilen und Wolfsburg-Unkeroda ist jedoch eine völlig andere Herausforderung. Dies ist diplomatisch formuliert, andere Stimmen sprechen von einer Zeitreise zurück in die DDR. Grobe Kostenschätzungen des Bauamtes gehen von 25 bis 35 Millionen Euro aus, welche in den kommenden 15 bis 35 Jahren in Straßen, Gehwege, Grünanlagen und Gewässer der betreffenden Ortsteile investiert werden müssen. Nur allein diese Gelder werden den Haushalt der Gesamtgemeinde in den kommenden Jahrzehnten für andere Investitionen weitgehend blockieren. Dessen müssen wir uns bewusst sein!
Zukunft Kindergartennetz
Die Frage der Zukunft des Gerstunger Kindergartennetzes beantworten wir 2026 abschließend. Persönlich favorisiere ich einen Kompromiss aus Nähe zur nächsten Einrichtung mit festgelegten Mindestbelegungszahlen je Einrichtung. Der Gemeinderat wird in der ersten Jahreshälfte auch die Frage beantworten, ob die Gemeinde Gerstungen künftig selbst ihre Kindergärten betreibt oder ob es bei der aktuellen Misch-Struktur aus eigenen Einrichtungen und freien Trägern wie bspw. der AWO bleibt. Fakt ist: Die Geburtenzahl für alle Gerstunger Ortsteile ist seit Jahren im freien Fall.
Waren im Jahr 2019 noch 80 Geburten zu verzeichnen, stürzte diese Zahl in 2025 auf 36 Neugeborene ab. Dies entspricht einem Rückgang von 55 Prozent! Diese Zahlen zwingen uns zur grundsätzlichen Neuausrichtung des Kindergartennetzes. Damit beschäftigte sich ein Arbeitskreis das ganze Jahr 2025 über. Der Empfehlungsbericht wird dem Gemeinderat als Entscheidungshilfe Mitte der ersten Jahreshälfte vorgelegt.
Alt-Gerstungen
Auch in den Ortsteilen der „Alt-Gemeinde Gerstungen“ gibt es noch viel zu tun. Nicht nur Straßen und Hochbauten, auch Feuerwehrgerätehäuser, der Ersatz alter Feuerwehrfahrzeuge, die Zukunft der Schlösser in Unterellen und Oberellen, die maroden Sportanlagen in Gerstungen, der fehlende Lärmschutz entlang der Bahnstecke sowie der A4 oder die knappe Wohnraumsituation, insbesondere für Familien, sind nur ein Auszug aus der aktuellen Aufgabenliste.
Folgen der Gebietsreform 2018: Zentralisation versus Kleinteiligkeit
Eine Gemeinde vom Zuschnitt Gerstungens kann meiner Ansicht nach kaum noch den mentalen und historischen Besonderheiten ihrer Ortsteile Rechnung tragen. Daran ändern auch Ortsteilbürgermeister, Ortsteilräte und die vielen Ehrenamtlichen nicht viel. Dieser Punkt ist aber wichtig für das gesellschaftliche Klima innerhalb einer so großen Gemeinde. Betrachten wir beispielsweise den Gemeinderat. Hier wird von den Räten „ortsteilübergreifendes Denken und Handeln“ erwartet – gewählt wurden sie aber in ihren Dörfern von den Menschen, die sie kennen. Ich kann mit Fug und Recht sagen, dass jeder einzelne unserer Gemeinderäte sein Bestes gibt, diese Erwartungen zu erfüllen. Dieses Spannungsfeld kann aber auch zu Frust und dem Gefühl führen, eigentlich nichts für den eigenen Ortsteil bewegen zu können. In vielen Gesprächen mit unseren Gemeinderäten ist mir dies immer wieder bestätigt worden.
Laut dem Meinungsforschungsinstitut FORSA, wirken sich kommunale Gebietsreformen überwiegend negativ auf Bürgernähe und Heimatgefühle aus. Letztlich sinkt sogar die Wahlbeteiligung – die demokratische Mitbestimmung nimmt laut FORSA also ab (Quelle: https://www.dstgb.de/aktuelles/archiv/archiv-2017/gebietsreformen-negative-effekte-auf-buergernaehe-heimatgefuehle-und-wahlbeteiligung/).
Zum nahezu gleichen Ergebnis kommt das IFO-Institut Dresden, wonach große kommunale Strukturen die örtliche Identität reduzieren (Quelle: https://www.ifo.de/DocDL/ifo-dresden-berichtet-2020-01-gebietsreformen-heimatgefuehl.pdf).
Es ist meiner Überzeugung nach wichtig (und noch nicht zu spät), dass wir als Gemeinderäte uns dieser wichtigen Thematik annehmen. Gleiches gilt für Sie – sehr geehrte Leserinnen und Leser und alle Menschen, die im Ehrenamt oder generell interessiert am politischen Leben in unserer Gemeinde teilnehmen!
Welche Schlüsse ziehen wir aus diesen Erkenntnissen? Welche Optionen haben wir? Was ist möglich?
Diese fundamentalen Fragen stelle ich 2026 dem Gemeinderat. Meiner Einschätzung nach werden die damit verbundenen Gespräche uns weiterbringen – wir sind danach klarer im Blick auf Groß-Gerstungen und seine Ortsteile.
Mir hat in diesem Zusammenhang die Debatte in Marksuhl um die Frage des möglichen Kindergartens im Schloss wieder die Augen für diesen wichtigen Punkt geöffnet. Persönlich nehme ich wahr, dass in diesem regional bedeutsamen und geschichtsträchtigen Dorf die zwangsläufigen Folgen des Verlustes der politischen Selbstständigkeit wie eine offene Wunde schmerzen. Womöglich geht es den Einwohnern von Wolfsburg-Unkeroda ähnlich.
Gebietsreformen werden in der Regel „von oben“ gewünscht bzw. durchgesetzt. So war es eindeutig auch in Gerstungen, Marksuhl und Wolfsburg-Unkeroda. Ob wir Geld bei der Verwaltung sparen sehe ich kritisch. Ob wir letztlich zusammen mehr Geld in der Kasse haben, auch. Die Frage, inwieweit jeder Einwohner diese seit 2018 bestehende Groß-Gemeinde für sich selbst annimmt und sich Stück für Stück immer mehr mit ihr identifiziert, wäre für mich und sicher auch für den Gemeinderat interessant zu erfahren.
Einwohnerbefragung 2026
Im Rahmen unserer nächsten Ortsteilbürgermeister-Beratung lege ich einen Vorschlag für eine Einwohnerbefragung vor. Kernziel der Befragung ist es, die Sichtweisen der Einwohnerschaft auf die Großgemeinde, ihren jeweiligen Ortsteil und auch über weitere, wichtige Fragen zu erfahren. Ob diese Befragung online, per Postsendung oder im Rahmen von Einwohnerversammlungen durchgeführt wird, klären wir in Ruhe. Gerstungen betritt mit dem Format der Einwohnerbefragung mit dem Schwerpunkt „Gebietsreform“ Neuland. Wir müssen aber als politisch Verantwortliche wissen, wie Groß-Gerstungen heute von seiner Bevölkerung gesehen wird und was zu tun wäre, um insgesamt mehr Akzeptanz und Vertrauen aufzubauen.
Auch 2026: ungefilterte Informationen aus dem Bürgermeisterbüro
Mein Ziel ist es von Anfang an, Sie – sehr geehrte Leserinnen und Leser – in grundsätzliche Themen der Gemeindeentwicklung mit einzubeziehen. Daher schreibe ich auch solche Artikel in unserem Amtsblatt. Dies ist – wie auch unsere vielen Einwohnerversammlungen - ein Chance der politischen Teilhabe für Sie. Kaum eine Flächen-Kommune geht solche aufwendigen Wege der Bürgerbeteiligung.
In 2026 intensivieren wir unsere Informationspolitik aus dem Rathaus heraus deutlich. Nutzen Sie also immer auch weiterhin unsere Neue Werrazeitung, die Website, unseren Facebook- und Instagram-Auftritt sowie unseren WhatsApp-Kanal, um sich über wichtige Entwicklungen sachlich korrekt und filterfrei zu informieren.
Daniel Steffan
Bürgermeister

